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Die Deutsche Bahn: Wer hat Angst vorm bösen Blogger? Oder: Wie Blogger kostenlos im ICE-Bistro speisen

16 September 2008 4,054 views 7 Kommentare

Quelle: Flickr, Sacred Destinations

Dienstag, 16.09.2008 auf dem Weg nach München zu einem Geschäftstermin. Nachdem die Straßenbahn S8 von Wiesbaden zum Frankfurter Flughafen gute 10 Minuten Verspätung aufweist, wird’s sportlich. Joggen vom Regionalbahnhof zum Fernbahnhof ist angesagt. Dank der Deutschen Bahn bleibt man gesund und fit, insbesondere mit Gepäck und Laptop im Schlepptau. Wie bei der Bundeswehr, bei der ich nie war. Nein, diese armen Kerle haben sicher mehr auf dem Buckel. Der ICE 611 ist immerhin pünktlich. Er trifft gegen 16:53 Uhr am Ferngleis 5 am Flughafen ein. Zunächst sichte ich wie immer das Bordbistro. Hier sorge ich als Wissensarbeiter regelmäßig für gute Umsätze. Nachdem ich in dem doch recht leeren Bordbistro zusteige (3 von 12 Plätzen sind belegt) packe ich den Laptop, zugeklappt auf den Tisch. Als die Bedienung kommt und ich meine Bestellung aufgebe werde ich zunächst höflich darum gebeten, den Laptop wieder einzupacken. Schade denke ich mir, da muss ich nach meinem Salat dann wohl noch einmal umziehen, um arbeiten zu können.

Auf die Frage, warum es gewünscht ist, keinen Laptop zu nutzen, antwortet mir die nette junge Dame, dass dies die Restaurantatmosphäre zerstöre. Mit der Bestellung geht sie in Richtung Küche, gleichzeitig spricht mich rechts Herr Rainer Haar an. Er ist Pilot bei einer bekannten deutschen Fluggesellschaft. Ihm ging es wie mir. Wenige Minuten zuvor wurde auch ihm gesagt, Laptopnutzung sei unerwünscht. Ich fragte ihn, ob es ihn den störe, wenn ich den Laptop nutzen würde. Wir beide, 2 von 4 Bistrogästen waren uns einig, dass wir uns gegenseitig mit Laptops nicht stören und – zumindest subjektiv (2/4) gesehen – keine Restaurantatmosphäre zerstören. Die anderen beiden Gäste waren nicht in unmittelbarer Sichtweite.

Kurz darauf wird mein Ticket kontrolliert. Bei der Kontrolle frage ich den Kontrolleur, ob es denn gestattet sei, den Laptop zu nutzen, wenn sich die anwesenden Bistrogäste untereinander einig wären, dass die Restaurantatmosphäre nicht dadurch gestört sei. Seine Antwort:

“Wenn Sie etwas verzehren, dann können Sie den Laptop nutzen”.

Sieg dachte ich, und unterhielt mich weiter sehr gut mit Herrn Haas. Doch ich war ein wenig zu voreilig, wie sich bald herausstellen sollte. Innerlich stellte ich mir vor, wie ich nach meinem Salat gemütlich im Bordbistor noch etwas arbeiten könne. Mit meinem Salat kam allerdings besagte Frau C. Eder ins Programm. Die BORD-BISTRO-CHEFIN höchst persönlich türmte sich bedrohlich vor mir auf und fragte, was mir einfiele den Kontrolleur zu fragen, schließlich sei Sie die BORD-BISTRO-CHEFIN. Daraufhin erklärte ich Ihr höflich, dass die anwesenden Gäste nicht der Auffassung sind, dass die Restaurantatmosphäre gestört werde, wenn ich den Laptop nutzen würde. Das täte nichts zur Sache, schließlich sei Sie die BORDCHEFFIN. Etwas “kitzelnd” meinte ich, schließlich sei es nur erwünscht, nicht aber ausdrücklich verboten. Daraufin eskalierte der Dialog. Frau C. Eder von der Deutschen Bahn meinte, es sei ja auch nicht erlaubt, im Bordbistro zu pinkeln (O-Ton) und es würde auch nirgends stehen. Auf meine Frage, ob der Vergleich nicht etwas unpassend wäre, meinte die gute Dame zu mir, dies hätte etwas mit DENKEN zu tun (O-Ton) und ich solle mir dafür ruhig etwas Zeit nehmen! Darauf hin meinte ich, sie wäre ja nicht gerade kundenfreundlich. Sie: “Ich könnte mich ja beschweren”. Ich: “Nein, das machen wir anders, wie ist ihr Name Frage ich Sie”. Die Dame sagt: “Eder” wie der vom Pumuckl. Oha, denke ich mir, die Dame
sagt den Ton an, ich bin der Pumuckl! Ich sage, gut, ihren Nachnamen habe ich, wie ist ihr Vorname? Sie: “Warum”. Ich schreibe jetzt mal ein Blogartikel, ich habe zwischen 4000 und 8000 Leser pro Tag. Als ich wieder nach oben blickte, um Blickkontakt mit Frau Eder aufzunehmen stand Frau Eder nicht mehr da und suchte die Weite. Ihre Kollegin fragte ich, wie Sie denn mit Vorname hieße. Darauf hin ging die Kollegin noch einmal nach hinten, berichtete mir allerdings, der Name tue nichts zu Sache. Als ich meine Rechnung forderte wurde ich überraschenderweise auf Kosten des Hauses eingeladen!

Foto: Flickr, Sacred Destinations

Über

Bloggt seit 2006 und ist Inhaber der Internetagentur SLTalk & Partner. Als Trainer und Berater ist er im IT-Umfeld bundesweit tätig. Er ist Dozent für Neue Medien an der DHBW Mannheim und an der Hochschule Fresenius tätig. Für den Studiengang Social Media Manager ist er am ILS Fernlehrer. Er ist Gründungsmitglied des BVMM und Mitglied bei der Gesellschaft für Wissensmanagement (GfWM).

7 Kommentare »

  • JakobD :

    Wieso ein Laptop “Restaurantatmosphäre” zerstört, wüsste ich auch gerne. Vor allem weil dort nicht so wirklich welche heerscht.
    Ansonsten ganz lustig =)

  • Steffen Bauer :

    16.12.2008: IC 2044 – 7.32 ab Köthen

    Habe als Pendler heute morgen in der “Restaurantatmosphäre” gesessen und wie gewohnt darauf gewartet, dass einer der beiden (ja, es waren zwei!) “Restaurant-“mitarbeiter zu meinem Tisch kommt, um meine Bestellung aufzunehmen. Nach 20 Minuten kam dann tatsächlich einer der beiden, nahm aber am Tisch neben mir Platz und begann, sein Frühstück einzunehmen. Darauf angesprochen belehrte er mich kauend, dass Selbstbedienung angesagt sei.

  • Harald Berger :

    Die Geschichte mit dem Laptop würde sich gar nicht stellen, wenn jeder der so ein Gerät nutzt, wüsste wie man es richtig einsetzt.
    Und da gehört die Benutzung im Bistro und Restaurant nun mal nicht dazu.
    Man geht ja schliesslich auch nicht mit seinem Partner oder Frau/Mann zum Essen und nimmt dorthin seinen Rechner mit.
    Gut, jetzt könnte der Eine oder Andere sagen, dass das etwas Anderes ist in so einem Verkehrsmittel. Sicher, aber die Leute die einen Laptop immer und überall benutzen sollten sich selbst mal beobachten.
    Diese Spezies ist noch nicht einmal richtig im Zug und am Platz angelangt wird auch sogleich der Rechner ausgepackt und drauf losgehackt.

    Es geht doch auch anders und vor allem sollte man in der hektischen Zeit sich auch mal eine kleine Ruhephase gönnen. Die deutsche Wirtschaft oder dergleichen wird nicht gleich zusammenbrechen wenn die Bitte des Personals nicht ignoriert wird und das Gerät einmal in der Tasche bleibt. Also reißt euch zusammen, auch bitte in der 1.Klasse!

    Na dann, Mahlzeit und eine entspannte Atmosphäre

  • Andreas Mertens (author) :

    @Harald Berger

    In einem First Class Restaurant kann ich das verstehen. Aber in Pseudo-Restaurants wie dem Bahnbistro, die eher etwas von einer billigen Business Lounge haben, kann ich das nicht nachvollziehen.

    Ansonsten bleibt zu sagen, dass sich die Zeiten ändern, damit auch die Bräuche und Gewohnheiten und Vieles mehr.

    Die Zeit bleibt nicht stehen und die Welt um uns herum verändert sich ständig. Natürlich ist jeder frei in Entscheidung – mehr oder weniger :-) – welche Veränderungen er mit machen möchte.

  • Sara Eisenberg :

    Hm, immer wieder solche abstrusen Geschichten mit/ über die Bahn. Die müssen sich echt mal selbst reformieren, denn der Zeitgeist ist heute eben ein anderer, und diese meist mehr als bescheidenen Boardbistros mit Nichtnutzung von Laptops aufwerten zu wollen ist eine krude Herangehensweise. Was mich aber gewundert hat, dass Frau Eder und Konsorten überhaupt etwas mit dem Begriff Blog und Besucher anfangen konnten!?!?

  • admin (author) :

    @Sara: Ich denke nicht, dass Frau Eder das mit dem Blog wirklich verstanden hat. Ich meine mich zu errinnern, dass Sie mich in eine Schublade Journalist steckte …. Ich vermute, dass die Wortfetzen

    “schreiben …. x Leser pro Tag …..”

    ausreichten, um in Ihren Kopf einige Assoziationen entstehen zu lassen. Vermutlich wertete Sie das mittels einer Art FuzzyLogic aus, sodass es bei ihr dann der Groschen fiel ….

    :-)

  • Dan :

    auch ich habe heute den serviceton der deutschn bahn erleben dürfen, nachdem ich mein laptop heraus nahm – super unfreundlich – im bistro hängt aber nur ein schild, dass mobiltelefone verboten sind – nichts von einem laptop – komisch fand ich auch, dass leute in anzügen das laptop gestattet wurde – ich hatte leider nur jeans und poloshirt an – arbeite aber auch im medienbereich ;( eins steht auf jeden fall fest – der service bei der deutschen bahn muss besser werden und vor allem freundlicher und es sollte eine einheitsregelung geben!!!!

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